S-Boote in der Kriegsmarine 1935 – 1945

 

Die Kriegschauplätze der S-Boote

 

Bei Kriegsbeginn am 01.09.1939 verfügte die Kriegsmarine über 17 Schnellboote, 10 weitere Boote waren im Bau. Die 1. SFltl mit den Booten "S 11", "S 12", "S 18", "S 19", "S 20", "S 21", "S 22" und "S 23" sowie das Begleitschiff "Tsingtau" lag in der Ostsee  während die 2. SFltl von Helgoland aus mit den Booten "S 9", "S 10", "S 14", "S 15", "S 16" und "S 17" operierte. "S 13" lag nach einer Kollision mit dem Vermessungsschiff "Meteor" im Trockendock und die übrigen Boote befanden sich in Motorenüberholung oder Werftliegezeiten.

"S 13" nach der Ramming mit "Meteor" - Foto: Privatarchiv Benjamin Flämig
"S 13" nach der Ramming mit "Meteor" - Foto: Privatarchiv Benjamin Flämig

Die Zuordnung der Schnellboote zu den einzelnen Flottillen war bei den Front-Flottillen dauerhaft. Die älteren Boote "S 18" bis "S 25" wurden jeweils an die neu aufgestellten Flottillen als Ausbildungsboote weitergegeben. Auch wurden ältere Boote aus den Frontflottilen an die neuen Flottillen weitergegeben, die damit fuhren bis sie selbst neu 'Boote bekamen. Im Schwarzen Meer und im Mittelmeer gab es eine feste Zuordnung der Boote, da die Boote vor Ort in die Instandsetzung gingen und wieder zu ihren Flottillen zurückkehrten.

 

Die alten Boote "S 10", "S 11", "S 13", "S15" und "S 16" bildeten die so genannte Schnelle Ujagd-Gruppe, die ab Mitte 1942 bis zum Kriegsende in Bergen stationiert war. "S 14" und "S 18" wurden als so genannte Schnellschlepper genutzt.

Zeittafel Einsatz S-Boote im 2. Weltkrieg - Grafik: Hans-Joachim Kasemir
Zeittafel Einsatz S-Boote im 2. Weltkrieg - Grafik: Hans-Joachim Kasemir

Die obige Grafik zeigt die Einsätze der S-Flottillen im zeitlichen und örtlichen Kontext, die Stärke der Blöcke ist abhängig von der Anzahl der auf dem jeweiligen Kriegsschauplatz eingesetzten S-Flottillen.

Die Dauer der Einsätze der S-Flottillen auf den Kriegsschauplätzen ist wie folgt:

 

Kriegsschauplatz

Einsatz von - bis

Eingesetzte Flottillen

Polenfeldzug

30.09.39 - 25.11.39

1. + 2. SFltl

Norwegen (Weserübung)

08.04.40 - 05.05.40

1. + 2. SFltl

Nordsee/Engl. Kanal

19.05.40 - 08.05.45

1., 2,. 4., 5., 6., 8. + 9. SFltl 

Russland/Finnland (Unternehmen Barbarossa)

18.06.41 - 23.11.41

1., 2. + 3. SFltl

Eismeer

11.11.41 - 15.06.43

8. + 6. SFltl, zeitweise Schnelle Ujagd-Gruppe

Westnorwegen

01.07.42 - 08.05.45

Schnelle Ujagd-Gruppe

Mittelmeer - Italien, Afrika

14.11.41 - 31.10.43

3. + 7. SFltl

Schwarzes Meer

24.05.42 - 29.08.44

1. + 11. SFltl

Adria

01.11.43 - 02.05.45

3., 7. + 24. SFltl

Ägäis

12.11.43 - 15.12.44

3. + 21. SFltl

Östliche Ostsee/Finnland 

07.03.44 - 08.05.45

1., 5., 6., 8., 9., 10. Sfltl, 2. + 3. S-SchulFltl

Eismeer

10.10.44 - 08.05.45

4. SFltl + 1. S-schulFltl

 

1.1 Polenfeldzug 1939

 

 1. SFltl (Kptlt. Sturm)

 

Die Flottille („S 18“, „S 19“, „S 20“, „S 21“, „S 23“ und „S 24“) unterstand dem Seebefehlshaber Ost (KAdm. Lütjens) und war vorgesehen für den Minenwurf in der Danziger Bucht. Als die Polen selbst umfangreiche Minenfelder warfen, sollte sie dann aber nur die Bewachung von Lücken in den polnischen Minensperren übernehmen. Dabei wurde ein kleineres polnisches Fahrzeug mit Artillerie versenkt. Dann wurde die Flottille in die Nordsee verlegt, um Sicherungsaufgaben für Kreuzer und Minenleger zu übernehmen. Anfang Dezember 1939 verlegte die Flottille in die Ostsee zurück, um eine planmäßige Werftliegezeit bis Anfang März 1940 durchzuführen.

 

2. SFltl (Kptlt. Petersen)

 

Bei Kriegsbeginn führte die Flottille („S 9“, „S 10“, „S 14“, „S 15“, „S 16“ und „S 17“) Aufklärung im Gebiet vor Helgoland durch. Dabei erlitt „S 17“ so starken Seeschaden , dass es ausgemustert werden musste. Anschließend wurde die Flottille in die Ostsee verlegt, um vor dem Sund Patrouille zu fahren und das polnische U-Boot "Orzel" am Ausbruch aus der Ostsee zu hindern. Das Boot konnte unbemerkt entkommen und nach Scapa Flow laufen wie auch schon das U-Boot "Wilk". Dann folgten Sicherungsaufgaben in der westlichen Ostsee, im Belt und im Kattegatt. Es gab keine Feindberührungen. Mit dem Einsetzen der Vereisung der Ostsee verlegte die Flottille zurück in die Nordsee. Auch sie ging in eine planmäßige Werftzeit bis Anfang März 1940.

 

 

 

2.1 Norwegenfeldzug 1940 (Weserübung)

 

Die 1. und die 2. SFltl nahmen an der „Weserübung“, der Besetzung Norwegens, am 09.04.1940 teil. Die 1. SFltl war der Kriegsschiffgruppe 3, die 2. SFltl der Kriegsschiffgruppe 4 zugeordnet.

 

 1. SFltl (Kptlt. Birnbacher)

 

Beim Marsch zum Treffpunkt der Kriegschiffgruppe 3, bestehend aus den Leichten Kreuzern "Köln" und "Karlsruhe", dem Artillerie-Schulschiff "Bremse", dem Begleitschiff "Carl Peters" und den Torpedobooten "Leopard" und "Wolf", (Ziel: Einnahme der Stadt Bergen) kollidierten die Boote „S 19“ und „S 21“ und mussten nach Wilhelmshaven zurückkehren. „S 20“ erlitt Maschinenschaden und musste ebenfalls zurückkehren, so dass nur noch vier Boote („S 18“, „S 22“, „S 23“ und „S 24“) zum Einsatz kamen. Diese übernahmen von den großen Einheiten Landungstruppen des Heeres, die unter der Batterie bei Kvarmen im Byfjord angelandet wurden. Danach übernahmen sie wiederum Truppen von den größeren Einheiten, die direkt in Bergen angelandet wurden. Nach knapp fünfstündigem Einsatz waren Bergen und die Küstenbatterien in der Umgebung in deutscher Hand. 

Nach Abschluss der Weserübung wurde die 1. SFltl von Bergen unter dem Kommando des Admirals Westküste (Adm v. Schrader) aus eingesetzt. Sie kontrollierte das Gebiet zwischen Sogne- und Hardanger-Fjord und landete Heerestruppen in abgelegenen Gebieten. Sie versenkte ein norwegisches Torpedoboot und brachte mehrere Fahrzeuge auf.

"S 16" vor Måløy 1941 - Foto: Archiv E. Skjold
"S 16" vor Måløy 1941 - Foto: Archiv E. Skjold

Die 2. S-Flottille mit den Booten „S 9“, „S 14“, „S 16“, „S 30“, „S 31“, „S 32“ und „S 33“ war zur Kriegsschiffgruppe 4, bestehend aus  dem Leichten Kreuzer "Karlsruhe", dem Begleitschiff "Tsingtau" und den Torpedobooten "Luchs", "Seeadler" und "Greif", abgestellt. Ziel war die Einnahme der Stadt Kristiansand. Nachdem die Gruppe von den Küstenbatterien heftig unter Feuer genommen wurden, übernahmen die S-Boote bereits im Außenfjord die Truppen von den großen Einheiten und brachen mit hoher Fahrt in den Fjord ein, um die Truppen in Kristiansand anzulanden. Die Truppenanlandungen wurden durch die Torpedoboote unterstützt, während die großen Einheiten die Küstenbatterien unter Feuer nahmen.

Leichter Kreuzer "Karlsruhe" und Boot der 2. SFlt vor Kristiansand - Foto: Archiv H. Kloetzke
Leichter Kreuzer "Karlsruhe" und Boot der 2. SFlt vor Kristiansand - Foto: Archiv H. Kloetzke
S-Boote der 2. SFltl bepackt mit Heeressoldaten vor Kristiansand 1940 - Foto: Archiv H. Kloetzke
S-Boote der 2. SFltl bepackt mit Heeressoldaten vor Kristiansand 1940 - Foto: Archiv H. Kloetzke

In der Nacht vom 08./09.05.1940 wurde die Flottille in ein Gefecht mit einer Kampfgruppe bestehend aus einem Kreuzer und 7 Zerstörern verwickelt. „S 31“ (OLt. z.S. Opdenhoff) gelang es, den britischen Zerstörer “Kelly” zu torpedieren. Dem Kommandanten wurde das erste Ritterkreuz des Schnellbootverbandes verliehen. „S 33“ rammte einen Zerstörer zweimal, nahm dabei selbst Schaden, konnte aber sicher nach Wilhelmshaven in die Werft gebracht werden.

Drei Boote der 2. SFltl in Stavanger - Foto: Archiv Erling Skjold
Drei Boote der 2. SFltl in Stavanger - Foto: Archiv Erling Skjold

Mit Abschluss der Weserübung wurde die 2. SFltl zunächst dem Befehlshaber Sicherung der Ostsee (VAdm Mootz) unterstellt.  Sie wurde aber bald dem Kommando West unterstellt und musste die Sicherung für Minenlegeoperationen übernehmen. 

 

Am 19.05.1940 verlegten die neun Boote der 1. SFltl und der 2. SFltl zusammen mit dem Begleitschiff "Tanga" nach Borkum, um für den Einsatz vor der holländischen und belgischen Küste zur Verfügung zu stehen.

 

 

2.2 Der Westfeldzug 1940

 

 

Am 10.05.1940 begann die Offensive im Westen. Die Gruppe West erbat dringend den Einsatz von Schnellbooten im Kanal. Am 12.05.1940 wurde die 2. SFltl  aus dem Sicherungseinsatz in Norwegen herausgezogen, am 14.05.1940 auch die 1. SFltl. Beide Flottillen wurden am 19.05.19340 mit neun Booten und einem Begleitschiff nach Borkum verlegt. In den Nächten 20./21. und 21./22.05.1940 erfolgten die ersten Einsätze vor der niederländischen und belgischen Küste, in denen ein Dampfer und der französische Zerstörer "Jaguar" versenkt wurden.

Es folgte die Verlegung der Flottillen nach Den Helder, das notdürftig auf die Aufgabe als S-Boots-Stützpunkt vorbereitet worden war. Von dort aus führte der FdT (Kpt.z.S. Bütow) beide Flottillen. Am 26.05.1940 begann die Operation "Dynamo", die Evakuierung der britischen und französischen Heereseinheiten. Sie endete am 04.06.1940 und es gelang den Alliierten 340.000 Mann allerdings ohne ihre Ausrüstung unter Aufbietung von über 800 Fahrzeugen darunter 56 Zerstörer von Dünkirchen nach England zu evakuieren. Die S-Boote waren die einzigen offensiven Kräfte der Marine, um diese Evakuierungsflotte zu bekämpfen. Bei dieser Operation verlor der Gegner 72 Fahrzeuge, allerdings gingen die meisten davon auf das Konto der Luftwaffe. Die S-Boote konnten den britischen Dampfer "Abukir", den britischen Zerstörer "Wakeful", den französischen Zerstörer "Sirocco" und die britischen Trawler "Stella Dorado" und "Argyllshire" versenken. 

Die Offiziere 1. SFltl und Helene vor der Unterkunft in Urville - Bild: Aus dem Nachlass Kpt.z.S. Künzel
Die Offiziere 1. SFltl und Helene vor der Unterkunft in Urville - Bild: Aus dem Nachlass Kpt.z.S. Künzel
Hotel de la Plage in Urville Nacqueville heute - Bild: Benoît
Hotel de la Plage in Urville Nacqueville heute - Bild: Benoît
Der Bunker für die Besatzungen in Urville Nacqueville heute - Bild: Benoît
Der Bunker für die Besatzungen in Urville Nacqueville heute - Bild: Benoît
Der Bunker für die Besatzungen in Urville Nacqueville heute - Bild: Benoît
Der Bunker für die Besatzungen in Urville Nacqueville heute - Bild: Benoît
Hotel de la Plage, Bunker und Veranda in Urville - Bild: Google Earth
Hotel de la Plage, Bunker und Veranda in Urville - Bild: Google Earth

Ferner wurde der französische Zerstörer "Cyclone" torpediert, konnte aber den Hafen von Dover und anschließend die Werft in Brest erreichen, wo er beim Einmarsch des deutschen Heeres gesprengt wurde. Am 31.05.1940 verlegten die beiden Flottillen nach Hook van Holland wo auch die neu aufgestellte 3. SFltl (Kptlt. Kemnade) mit zwei Booten hinzu stieß. Am 03.06.1940 verlegten die drei Flottillen nach Rotterdam. Die meisten Torpedoschüsse bei den verschiedensten Einsätzen gingen fehl auf Grund von Problemen mit den Magnet- und den Aufschlagzündern.

 

Am 11.06.1940 erfolgte die Verlegung der 2. SFltl nach Boulogne. Beim Einlaufen wurden die Boote von eigener Artillerie unter Feuer genommen, ohne jedoch Schaden zu nehmen. Nach heftigen Bombenangriffen durch brit. Bomber mit sechs Gefallenen (siehe untenstehendes Bild) schon am gleichen Tag, verlegte die Flottille am 12.06.1940 zurück nach Rotterdam. Am 17.06.1940 verlegte sie erneut nach Boulogne. Inzwischen hatte die 3. SFltl wieder zurück nach Deutschland verlegt. 

Die Gefallenen der 2. SFltl am 12.06.1940 in Boulogne (Oblt. z.S. Kecke - Kdt S 35, ObMaschMt Glienke - T1 S 31, BtsmMt Zumpe - Nr. 1 S 31, MatrObGefr Weber - S 30, MachObGefr Dörnberg - S 30, MaschGefr Hütte - S 31, FkGefr Kluin - S 31) - Bild: Archiv R.
Die Gefallenen der 2. SFltl am 12.06.1940 in Boulogne (Oblt. z.S. Kecke - Kdt S 35, ObMaschMt Glienke - T1 S 31, BtsmMt Zumpe - Nr. 1 S 31, MatrObGefr Weber - S 30, MachObGefr Dörnberg - S 30, MaschGefr Hütte - S 31, FkGefr Kluin - S 31) - Bild: Archiv R.

Die Boote griffen nun von Boulogne und Rotterdam aus den britischen Konvoiverkehr an der englischen Südküste und Südostküste an. Am 27.06.1940 verlegte die 1. SFltl nach Cherbourg und die  2. SFltl nach Ostende. 

Boote der 2. SFltl beim Auslaufen aus einem Kanalhafen - Bild: PK-Aufnahme
Boote der 2. SFltl beim Auslaufen aus einem Kanalhafen - Bild: PK-Aufnahme

Am 08.08.1940 versenkten die Boote der 1. SFltl, "S 20" (Oblt.z.S. Götz von Mirbach), "S 21" (Oblt.z.S. Bernd Klug), "S 25" (Oblt.z.S. Siegfried Wuppermann) und "S 27" (Oblt.z.S. Herbert Büchting) unter dem Kommando des Fltl-Chefs Kptlt Heinz Birnbacher an Bord von "S 27", aus dem Convoi CW 9 "Peewitt"heraus die drei britischen Dampfschiffe "Holme Force", "Fife Coast" und "Ouse" (nach offiziellen britischen Aufzeichnungen durch Kollision beim Ausweichen eines Torpedos). Beschädigt wurden die Motorschiffe "Polly M" und "John M". Bis zu diesem Datum hatten deutschen S-Boote außerdem die britischen  Dampfer "Roseburn", "Elmcrest", "Broadhurst", "London Trader" und "Lulonga"den britischen Tanker "Albuera", die britischen Motorschiffe "Kingfisher" und "Mallard" , den  französischen Dampfer "Meknés" (hierbei starben 374 französiche Soldaten auf dem Rückweg nach Frankreich, das inzwischen kapituliert hatte), sowie den britischen bewaffneten Trawler "Cayton Wyke" versenkt. Beschädigt wurden die britischen Frachter "Hartlepool" und "British Corporal". 

Die Bekanntgabe des OKW - Aus dem Buch: Friedrich Meier "Kriegsmarine am Feind"
Die Bekanntgabe des OKW - Aus dem Buch: Friedrich Meier "Kriegsmarine am Feind"

Aus den Unterlagen der Royal Navy über die Verluste des Convois CW 9 ist zu entnehmen, dass die gemeldeten Versenkungszahlen auch in diesem Fall zu hoch angesetzt waren. 

 

Am 14.08.1940 wurde Oblt.z.S. Fimmen und Oblt.z.S. v. Mirbach dafür das Ritterkreuz verliehen.

Verleihung RK an Oblt.z.S.Fimmen und Oblt.z.S. v. Mirbach - Bild: Aus dem Nachlass Kpt.z.S. Künzel
Verleihung RK an Oblt.z.S.Fimmen und Oblt.z.S. v. Mirbach - Bild: Aus dem Nachlass Kpt.z.S. Künzel
Die Offiziere des 1. SFltl in Urville 1941 - Bild aus dem Nachlass Kpt z.S. Künzel
Die Offiziere des 1. SFltl in Urville 1941 - Bild aus dem Nachlass Kpt z.S. Künzel
Das Glashaus in Urville Veranda in Urville Nacqueville heute - Bild: Benoîtheute -
Das Glashaus in Urville Veranda in Urville Nacqueville heute - Bild: Benoîtheute -

In dieser Phase des Krieges warfen die deutschen Schnellboote in vier Operationen Minen auf den Geleitwegen entlang der englischen Küste.

 

Als eigene Verluste waren zu verzeichnen „S 32“  und „S 23“ durch Minentreffer. Bei den Bombenangriffen auf die Boote in Boulogne acht Tote und zehn Verletzte. Bei den Minentreffern sechs Tote und zwei Verletzte auf „S 32“. 

Am 11.08.1940 erhielt die 1. SFltl den Befehl sich in nächster Zeit in erster Linie für Seenotzwecke der Luftwaffe bereit zu halten. Am 13.08.1940 begann der "Adlertag", der Kampf um die Lufthoheit über Großbritannien, die von der OKL als Voraussetzung für das Unternehmen Seelöwe (Landung in Großbritannien) angesehen wurde.

 

Die Propaganda-Maschinerie versuchte mit allen Mitteln eine Kriegsmarinebegeisterung im Volk zu inszenieren, so mit Büchern und Sammelbildern. Das unten gezeigte Beispiel eines Sammelbildes der Sparkasse Gersdorf, Bezirk Chemnitz, verdeutlicht wie die politische Führung die Bevölkerung zu beeinflussen versuchte.

Sammelbild der Sparkasse Gersdorf in Sachsen - Bild: Archiv Förderverein
Sammelbild der Sparkasse Gersdorf in Sachsen - Bild: Archiv Förderverein
Rückseite des Sammelbildes der Sparkasse Gersdorf in Sachsen - Bild: Archiv Förderverein
Rückseite des Sammelbildes der Sparkasse Gersdorf in Sachsen - Bild: Archiv Förderverein

Am 15.08.1940 erfolgte ein Sabotageakt in Ostende, dem die Torpedoregelstelle und das Torpedolager mit 42 Torpedos zum Opfer fiel. Durch herumfliegende Splitter und Wrackteile wurden die Boote „S 24“, „S 31“, „S 35“ und „S 37“ so stark beschädigt, dass sie nach Deutschland in die Werft verholen mussten. Damit war die 2. SFltl praktisch ausgefallen und die 1. SFltl mit den Booten „S 18“, „S 20“, „S 21“, „S 25“, „S 26“ und „S 27“ wurde am 19.08.1940 nach Rotterdam befohlen, um von dort auf Geleitzüge vor der Themsemündung zu operieren. In der Folgezeit wurden Torpedo- und Mineneinsätze im Wechsel gefahren.

Stander "Z" weht hier bei einer Angriffsübung vor dem Krieg auf einem Boot der Serie S 14 - Bild: Aus dem Buch Fr. Meier "Kriegsmarine am Feind"
Stander "Z" weht hier bei einer Angriffsübung vor dem Krieg auf einem Boot der Serie S 14 - Bild: Aus dem Buch Fr. Meier "Kriegsmarine am Feind"

Am 08.09.1940 kam als Verstärkung die 3. SFltl (Kptlt. Kemnade) aus Kiel mit den Booten „S 1“, „S 10“, „S 11“ und „S 13“. Beim Einlaufen in Vlissingen rammten sich „S 1“ und „S 13“ leicht, eine Schute traf im Hafen „S 10“ am Heck, so dass nur „S 11“ und „S 13“ einsatzbereit waren.

 

"S 10" beim Einlaufen Wilhelmshaven – Bild aus dem Buch Fr. Meier: "Kriegsmarine am Feind"
"S 10" beim Einlaufen Wilhelmshaven – Bild aus dem Buch Fr. Meier: "Kriegsmarine am Feind"

Das Unternehmen Seelöwe wurde Mitte Oktober 1940 endgültig verschoben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Schnellboote trotz Behinderungen durch das Wetter und Motorenproblemen und sonstigen Schäden durch Gefechte mit britischen Bewachern und durch Bombenangriffe in den Häfen an den Booten die britischen Frachter "Cotbrook", "New Lambton", "Fulham V", "Ewell", "Joseph Swan", "Continental Coaster" sowie die niederländischen Frachter "Nieuwland"  und  "Stad Alkmaar" versenkt. Die Erfolge der von den S-Booten geworfenen Minensperren sind nicht berichtet worden.

 

Die eigenen Verluste waren ein Minentreffer am 28.08.1940 auf „S 19“, das aber nach Calais eingeschleppt werden konnte, die Versenkung von „S 37“ durch einen Minentreffer und schwere Schäden durch Bombentreffer auf  „S 36“, Splitterschäden auf „S 33“, „S 37“ und „S 13“ sowie 17 Gefallene bzw. Verstorbene, sechs Schwerverwundete (darunter auch Kptlt. Kemnade), zwei Leichtverwundete und vier Leichtverwundete bei der Explosion des Torpedolagers in Ostende.

 

Am 21.10.1940 ordnete die Gruppe West die Verlegung der 1. SFltl nach Norwegen und damit die Unterstellung unter die Gruppe Nord an. Damit verblieben im Westraum die 2. SFltl mit fünf Booten („S 30“, „S 33“, „S 34“, „S 36“ und „S 55“) und die 3. SFltl mit drei Booten („S 12“, „S 54“ und „S 57“) Die 1. SFltl traf am 28.10.1940 mit den Booten „S 20“, „S 24“, „S 27“ und „S 28“ in Bergen ein. „S 25“, „S 26“ und das neue „S 38“ sollten bei Klarstand nach Bergen folgen. Die Boote „S 19“ und „S 21“, die bisher zur 1.SFltl gehört hatten, wurden mit Fertigstellung der neu aufgestellten 4. SFltl zugeteilt.

 

Um von Norwegen aus auf die Shetlands operieren zu können wurde die 1. SFltl am 30.10.1940 nach Stavanger verlegt. Ab 04.11.1940 fuhr die Flottille Geleitdienst. Am 11.11.1940 wurden die 1. SFltl bis auf zwei Boote, die weiter Geleitdienst machten, wieder der Gruppe West unterstellt. 

 

Mit den wenigen verbliebenen Booten im Westraum wurden sowohl Minen- als auch Torpedoeinsätze durchgeführt. Das Herbstwetter ließ allerdings nicht viele Einsätze zu. Erst am 19.11.1940 erfolgte wieder ein Einsatz, bei dem "S 38" (Oblt.z.S. Dethlefsen) durch Artillerietreffer von den brit. Zerstörern "Campbell" und "Garth" versenkt wurde. Dabei gab es viele Verwundete, fünf Gefallene und 18 Gefangene (darunter der Kommandant).

 

 

Der Verlust von „S 38“

Zeitungsartikel vom November 1940 - Zeitungsausschnitt: Archiv Maik Freund
Zeitungsartikel vom November 1940 - Zeitungsausschnitt: Archiv Maik Freund

Am 20.11.1940 ging im Englischen Kanal das Boot "S 38" von der 1. SFltl verloren. Das Boot unter Führung von Oblt.z.S. Dethlefsen war zusammen mit den Booten "S 54" und "S 57" von Rotterdam bis östlich Lowestoft vorgestoßen als sie um 02.58 Uhr aus dem hellen Horizont kommend auf drei englische Zerstörer trafen. Die Boote stoben mit Höchstfahrt auseinander.

 

Die Zerstörer eröffneten das Feuer und die Boote verloren die Fühlung zueinander. Als der auf "S 56" eingeschiffte Flottillenchef, Kptlt. Kemnade, um 03.05 Uhr den Zustand der Boote über UK anfragte, meldete sich nur "S 57". Da er keine Möglichkeit für einen Angriff auf die Zerstörer mehr sah, trat er mit "S 57" den Rückmarsch an. Die eigene Luftaufklärung fand nach Hellwerden keine Spur von "S 38" und das Schicksal des Bootes blieb ungeklärt, bis am Nachmittag Radio Daventry meldete, dass ein deutsches S-Boot vernichtet worden sei und Überlebende gerettet worden wären.

 

Der Zerstörer "HMS Campbell" hatte das Boot am Heck gerammt und das bewegungsunfähige Boot dann aus nächster Nähe zusammen mit den Zerstörern "HMS Garth" und "HMS Holderness" zusammengeschossen. Auf "S 38" gab es zahlreiche Verwundete, fünf Mann fielen (StrmMt. Tillmann, MaschMt. Dölz, FunkObGefr. Kühn, MaschObGefr. Stöcker und MaschGefr. Zimmermann).

 

Ein Enterkommando von "HMS Holderness" unter dem Kommando von Lt. Rudland enterte das Boot. Um das Boot nicht in Feindeshand kommen zu lassen, hatte Oblt.z.S. Dethlefsen bereits Befehl gegeben, die Sprengpatronen anzuschlagen und zu zünden. Er erklärte dem Lt. Rudland in ruhigem Ton und in perfektem Englisch, dass das Boot in wenigen Minuten in die Luft fliegen würde und dass es ratsam sei, das Boot zu verlassen. Diesem Rat wurde von den Briten Folge geleistet ohne zu versuchen, Geheimsachen und Ausrüstung zu bergen. Oblt.z.S. Dethlefsen gab darauf seiner Besatzung den Befehl, das Boot zu verlassen, das kurz darauf in die Luft flog und auf Position 52o28'N, 002o10'E sank. Er rettete damit etlichen britischen und deutschen Seeleuten das Leben. 18 Mann von "S 38" gerieten in Gefangenschaft, darunter der Kommandant und der MaschObGefr. Freund, aus dessen Nachlass der Zeitungsausschnitt, die Bilder und die Dokumente auf dieser Seite stammen.

Archiv-Foto von "HMS Holderness" - Geleitzerstörer der Hunt-Klasse
Archiv-Foto von "HMS Holderness" - Geleitzerstörer der Hunt-Klasse

Masch.ObGefr. Erwin Freund (†) war bis dahin auf den Booten "S 11" und "S 19" gefahren. Er erlitt starke Verbrennungen (70 %) und wurde von den Briten aus dem Wasser gefischt. Er kam zunächst in ein P.O.W.-Camp in England und wurde schließlich in ein kanadisches Lager verschifft. Dort verbrachte er die Zeit bis zum Kriegsende.

MaschObGefr. Freund - Bild: Archiv Maik Freund
MaschObGefr. Freund - Bild: Archiv Maik Freund
Postkarte des MaschObGefr. Freund aus der Gefangenschaft an seinen Vater - Bild: Archiv Maik Freund
Postkarte des MaschObGefr. Freund aus der Gefangenschaft an seinen Vater - Bild: Archiv Maik Freund
MaschObGefr. Freund als Kriegsgefangener - Bild: Archiv Maik Freund
MaschObGefr. Freund als Kriegsgefangener - Bild: Archiv Maik Freund
"S 11" im Jahre 1939 - Bild: Archiv Maik Freund
"S 11" im Jahre 1939 - Bild: Archiv Maik Freund
"S 19" im Jahre 1939 - Bild: Archiv Maik Freund
"S 19" im Jahre 1939 - Bild: Archiv Maik Freund

Der MaschObGefr. Freund hatte als Besatzungsmitglied auf "S 19" an der Gefechtsübung, über die in der Berliner Ilustrirten Zeitung der u.a. Artikel erschien, teilgenommen.

Sturm und Nebel verhinderten bis 13.12.1940  weitere Einsätze. Die 3. SFltl erhielt mit „S 58“ (Lt.z.S. Geiger) und mit „S 59“ (Lt.z.S. Haag) zwei neue Boote.  Am 21.12.1940 griffen britische Flugzeuge die Kanalhäfen erneut an. In Ostende wurden „S 34“ und „S 56“ leicht beschädigt, „S 33“ musste in die Werft. Der einzige erfolgreiche Einsatz erfolgte am 23.12.1940: Alle drei Flottillen waren ausgelaufen, um auf die britischen Geleitzüge zu operieren. Sie stießen auf zwei stark gesicherte Geleitzüge, „S 28“ versenkte den brit. Trawler "Pelton", wenig später versenkte „S 59“ den niederländische Frachter "Stad Maastricht". Die Boote wurden von den Zerstörern des Geleits unter Feuer genommen und von den Konvois abgedrängt. 

S 33" passiert ein eigenes Dickschiff – Bild aus Fr. Meier: "Kriegsmarine am Feind"
S 33" passiert ein eigenes Dickschiff – Bild aus Fr. Meier: "Kriegsmarine am Feind"

Bis zum Jahresende herrschte stürmisches Wetter, so dass die Boote in den Häfen festgehalten wurden.

Beide Seiten unterlagen in dieser Phase des Krieges Fehleinschätzungen:

 

Die deutschen S-Boote meldeten die Versenkung von 44 Handelsschiffen (230.500 BRT) durch Torpedotreffer auf Handelsschiffen und die Versenkung von 11.330 t an Kriegsschiffen. In Wirklichkeit versenkten sie 26 Handelsschiffe und Hilfsschiffe (49.985 BRT) und drei Zerstörer. Sieben Handelsschiffe (21.428 BRT) und zwei Zerstörer wurden beschädigt.

 

Die britische Seite glaubte an eine Dislozierung von 50 Booten in drei Flottillen zu je 12 bis 14 Booten entlang der holländischen, belgischen und  französischen Küste.

 

Die von den S-Booten benutzte Taktik, sich entlang der Geleitwege in Lauerstellung zu positionieren ohne ausreichende Luftaufklärung und -fühlunghaltung führte dazu, dass die Boote häufig ins Leere stießen.

Im Jahr 1940 wurden 20 neue Schnellboote in Dienst gestellt. Bei vier verlorengegangenen Booten also ein Zuwachs von 16 Booten.

3.2 Der Russlandfeldzug 1941 (Unternehmen Barbarossa)

 

Für das Unternehmen Barbarossa sollten Minensperren die sowj. Einheiten am Ausbruch aus der Ostsee hindern. Die S-Boote der 1., 2. und 3. SFltl sollten die Minenlegefahrzeuge schützen. Aus drei Booten der 1. und zwei Booten der 2. SFltl wurde unter Führung des Kommandanten „S 28“ (Kptlt. Klug) die 5. SFltl gebildet.

 

Erst unmittelbar vor Angriffsbeginn am 22.06.1941 nahmen die Flottillen ihre Ausgangspositionen ein:

Die 1. SFltl (Kptlt. Birnbacher) mit sechs Booten und Begleitschiff „Carl Peters“ in den Porkala-Schären bei Helsinki mit der Minenschiffgruppe „Kobra“ und der Hälfte der 5. Räumbootsflottille (5. RFltl).

 

 

Die 2. SFltl (KKpt Petersen) mit acht Booten und Begleitschiff „Tsingtau“ in den Abo-Schären bei Turku mit der Minenschiffgruppe Nord und der anderen Hälfte der 5. RFltl.  

"Tsingtau" und Boote der 2. SFltl in den Abo-Schären - Bild aus Bürger: „Schnellboote vor“
"Tsingtau" und Boote der 2. SFltl in den Abo-Schären - Bild aus Bürger: „Schnellboote vor“

Die 3. SFltl (Kptlt Kemnade) mit 10 Booten in Pillau mit drei Minenschiffen und der 15. Minensuchflottille (MSFltl). Begleitschiff „Adolf Lüderitz“ war wegen der Luftbedrohung in Swinemünde geblieben.

Die 5. SFltl (Kptlt. Klug) mit fünf Booten in Gotenhafen (Gdingen) mit der 5. MSFltl.

Die noch in Ausbildung befindliche 6. SFltl (Kptlt Obermaier) mit den Linienschiffen „Schlesien“ und „Schleswig-Holstein“ in Korsör, um Sund und Belt gegen sowjetische Ausbruchversuche abzusichern.

Der Führer der Torpedoboote (F.d.T.), Kpt.z.S. Bütow, sollte von Helsinki aus den Einsatz der S-Boote im Finnenbusen leiten.  

"S 32" in Tarnbemalung in der Ostsee - Bild: Archiv M. Scheer
"S 32" in Tarnbemalung in der Ostsee - Bild: Archiv M. Scheer

Vom 18. bis 21.06.1941 waren bereits die ersten 1.500 Minen und 1.800 Sprengbojen zwischen Memel und Öland gelegt worden.

 

Am 22.06.1941 wurden weitere Sperren gelegt. Die Gruppen Kobra und Nord legten unter Sicherung der 1. bzw. 2. SFltl zwei Sperren in den Ausgang des Finnenbusens. Die anderen Einheiten verminten den Moonsund und den Soelosund.  Die 3. SFltl verminte die Hafenausgänge von Libau, die 5. SFltl die Irbenstraße. Auf dem Rückmarsch  wurde durch Torpedos von „S 59“ und „S 60“ der lettische Frachtdampfer „Gaisma“ versenkt. Der sowjetische Fischdampfer „Šuka“ wurde durch Sprengung vernichtet. Der estnische Dampfer „Estonia“ wurde aufgebracht (später erfolgte Umbau und Nutzung als Begleitschiff). Ferner wurde der estnische Frachter „Liisa“ versenkt. In der gleichen Nacht lief ein sowjetischer Verband (ein Kreuzer und drei Zerstörer) in die Sperre „Apolda“ vor dem Finnenbusen. Der Zerstörer „Gnevnyj“ sank,  der Zerstörer „Gordyj“ wurde stark beschädigt, dem Kreuzer „Maksim Gorkij“ wurde das Vorschiff abgerissen. Der dritte Zerstörer erlitt nur leichte Schäden und konnte den Kreuzer in den Hafen geleiten. Am 23.06.1941 wurde durch " S 60" und " S 35" ein sowjetisches U-Boot mit Handgranaten und Wasserbomben versenkt. " S 31" und  "S 59" torpedierten den sowjetischen Zerstörer „Storoževoj“.

 

In der Nacht 26./27.06.1941 gingen die Boote "S 43" und "S 106" in einem sowjetischen Minenfeld nördlich Dagö verloren, dabei gingen 19 Mann mit den Booten unter.  

Am 30.06.1941 war Libau eingenommen, so dass die 3. SFltl mit dem Begleitschiff „Adolf Lüderitz“ am 04.07.1941von Memel nach Libau verlegen konnte. Da keine Minen mehr zur Verfügung standen, unternahmen die S-Boote nunmehr Vorstöße auf  den sowjetischen Schiffsverkehr. Am 10.07.1941 bei einem Angriff der 1. SFltl auf einen sowjetischen Konvoi gab es 3 Fehlschüsse, bei einem weiteren Angriff auf einen zweiten Konvoi gab es 13 Fehlschüsse. Wegen der Helligkeit konnten die Schiffe den Torpedos ausweichen. Das Gleiche geschah am 14.07.1941.

S-Boote mit Tarnanstrich im Päckchen - Foto: Archiv H. Haag
S-Boote mit Tarnanstrich im Päckchen - Foto: Archiv H. Haag

Die S-Boote übernahmen in der Folgezeit die Sicherung des eigenen Nachschubverkehrs. Dabei wurde das sowjetische S-Boot „TKA 71“ in Brand geschossen, der ehemals lettische Eisbrecher „Lacplesis“ und der sowjetischen Zerstörer „Smelyj“ wurden versenkt.

 

Ab 08.08.1941 wurden die Minelegeoperationen wieder aufgenommen. Die S-Boote übernahmen wiederum die Sicherung. Am 15.08.1941  versenkte die 1. SFltl das sowjetische Minensuchboot „No. 41“. Auf den Minensperren sanken der sowjetischen Transporter „Vodnik“, der litauische Frachter „Utena“ und der sowjetische Minensucher „T-202 Buj“. Am 18.06.1941 versenkte S 58 das sowj. Minensuchboot „No. 80“. Am 24.08.1941 sanken auf einer Minensperre der sowjetische Zerstörer „Engels“, die Minensuchboote „T-209 Knecht“ und „T-214 Bugel“, der estnische Dampfer „Eestirand“ (4444 BRT) und der sowjetische Marinetanker „No. 11“ (16.809 BRT), mit ihm versanken 600 Soldaten der Garnison Reval auf dem Wege nach Kronstadt.  

S-Boot mit hoher Fahrt in der Ostsee - Bild aus Bürger: „Schnellboote vor“
S-Boot mit hoher Fahrt in der Ostsee - Bild aus Bürger: „Schnellboote vor“

 

Am 27.08.1941 übergab Kptlt. Birnbacher das Kommando über die 1. SFltl an den Kommandanten "S 60", Oblt.z.S. Wuppermann, um in Swinemünde die inzwischen befohlene Verlegung der Flottille in das Schwarze Meer vorzubereiten.

 

In der Nacht zum 28.08.1941 evakuierten die Sowjets Reval. Die Schiffe gerieten voll in die Minensperren und erlitten herbe Verluste. Auch trug die Luftwaffe zur Dezimierung der Schiffe bei. Es sanken fünf Zerstörer, zwei Patrouillenboote, zwei U-Boote, drei Minensucher, einige Schlepper  und kleinere Fahrzeuge, ferner das Schulschiff „Leningradsovet“, das Werkstattschiff „ Serp i Molot“ sowie 24 Transporter (44.093 BRT). Schwer beschädigt wurden der Flottillenführer „Minsk“ sowie zwei Zerstörer.

 

Die 3. SFltl wirkte mit bei der Einnahme der baltischen Inseln. Die 2. und 3. SFltl fuhren Sicherung für die so genannte „Baltenflotte“, die zusammengestellt wurde, um einen Ausbruch der sowjetischen Baltischen Flotte von Kronstadt nach Schweden zu verhindern.

 

 

Am 24.09.1941 erhielt die 3. SFltl den Rückmarschbefehl nach Swinemünde, wo sie am 26.09.1941 eintraf, um sich auf die Verlegung ins Mittelmeer vorzubereiten. Die 2. SFltl wurde am 01.10.1941 entlassen, um nach kurzer Überholungszeit wieder an die Westfront zurück zu verlegen.

 

 

Lediglich die 1. SFltl verblieb in Finnland, um Geleite zu sichern und gegen den sowjetischen Verkehr von und nach Hangö zu wirken. Auch nach der Räumung Hangös am 26.10.1941 verblieb die Flottille in Finnland, um Minenoperationen zu sichern. Erst als Vereisung des Finnenbusens drohte, wurde die Flottille am 13.11.1941entlassen und kehrte am 24.11.1941 in die Heimat zurück, da schlechtes Wetter die Verlegung nicht früher zuließ.

Einsatzbesprechung der 1. SFltl in den finnischen Schären - Bild aus Bürger: „Schnellboote vor“
Einsatzbesprechung der 1. SFltl in den finnischen Schären - Bild aus Bürger: „Schnellboote vor“
Begleitschiff "Adolf Lüderitz" und vier Boote der 3. SFltl in Finnland 1941 - Foto: Archiv E. Skjold
Begleitschiff "Adolf Lüderitz" und vier Boote der 3. SFltl in Finnland 1941 - Foto: Archiv E. Skjold

3.3 Das Eismeer 1941

 

Auf Weisung Hitlers war der am 22.06.1941 begonnene aber ins Stocken geratene Vormarsch auf Murmansk gestoppt und auf die Verteidigung der Nickelgruben in Petsamo/Finnland reduziert worden. Gleichzeitig sollte die Kriegsmarine den alliierten Schiffsverkehr im Nordmeer unterbinden und den deutschen Verkehr sicherstellen. Dazu wurde auch der Einsatz von Schnellbooten gefordert.

 

Das OKM ordnete am 19.10.1941 die Aufstellung der 8. SFltl (Kptlt. Stuhr-Christiansen) mit den Booten „S 42“ (Oblt.z.S. Seeger), „S 44“ (Oblt.z.S. Merkel), „S 45“ (Oblt.z.S. Babbel), „S 46“ (Oblt.z.S. Priebe) und dem Begleitschiff "Adolf Lüderitz" und die Verlegung ins Nordmeer an. Gleichzeitig wurde der Dampfer "Larsen" nach Tromsö in Marsch gesetzt, um dort als Werkstattschiff umgebaut zu werden. Der Dampfer "Hernøsand" wurde als Torpedoregelstelle und -lager umgebaut. Das Begleitschiff "Tanga" wurde als Kommandoschiff nach Kirkenes entsandt. Es führte Torpedos, Wasserbomben und anderes Material mit sich. Wegen schlechten Wetters erreichten die Boote erst am 26.11.1941 Bergen. Von dort wurden sie durch die Fjorde geschleppt, um die Motoren zu schonen. Am 04.12.1941 wurde Tromsø erreicht.

Der erste Einsatz am 28.12.1941 gegen einen brit. Verband, der gegen den Westfjord operierte, ging ins Leere. Auf dem Rückmarsch hatte „S 45“ eine Grundberührung und musste nach Harstad ins Dock. 

 

Am 28.12.1941 kollidierten „S 42“ und „S 44“, so dass ‚“S 44“ aKB (außer Kriegsbereitschaft) gestellt werden musste. Damit bestand die Flottille noch aus zwei Booten.

Während im Westen die 2. SFltl, die 4. SFltl, die 6. SFltl gegen den englischen Konvoiverkehr zum Einsatz kamen, bereiteten die 1. und die 3. SFltl sich auf die Verlegung in das Schwarze Meer bzw. das Mittelmeer vor.

3.4 Das Mittelmeer 1941

 

Der Seekrieg im Mittelmeer nahm einen ungünstigen Verlauf für die Achsenmächte. Da die erbeuteten jugoslawischen Kriegsschiffe (vier Zerstörer, zwei U-Boote, sechs S-Boote, ein Minenleger und sechs M-Boote) von Italien beansprucht worden waren, sah die deutsche Seekriegführung nur den Weg, Fahrzeuge ins Mittelmeer zu verlegen, die über die Flüsse und Kanäle dorthin verbracht werden konnten. Sonst konnten nur U-Boote durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer gelangen.

 

 

Die Skl unterrichtete das OKW am 05.08.1941 über ihre Absicht, nach Beendigung des Ostsee-Einsatzes je eine S- und eine R-Flottille „gemäß Führerweisung“ ins Mittelmeer zu überführen. Der Zeitbedarf für die Werftüberholung der Boote und die Passage von Rotterdam über Rhein, Rhein-Rhône-Kanal und Rhône nach La Spezia wurde auf 2 ½ bis 3 Monate veranschlagt. Ausgewählt wurden die 3. SFltl (Kptlt. Kemnade) und die 6. R-Flotille. Die 3. SFltl sollte zur „direkten und indirekten Sicherung des Transportweges Sizilien/Tripolis dienen und vor der nordafrikanischen Küste operieren“.

 

Mit einem letzten Vorstoß von „S 54“ und „S 33“ von Windau aus beendete in der Nacht vom 22./23.09.1941 die 3. SFltl ihren Einsatz in der Ostsee. Die beiden Boote verlegten am 25.09.1941 zusammen mit dem Begleitschiff „Adolf Lüderitz“ nach Swinemünde. Die anderen Boote der Flottille verlegten nach der Begleitsicherung für das Schlachtschiff „Tirpitz“ und den Schweren Kreuzer „Admiral Scheer“ nach Wilhelmshaven, wo die Flottille mit Begleitschiff am 28.09.1941 festmachte. 

Die französische Staatsführung (Marschall Petain) war mit der Überführung der S- und der R-Flottille ins Mittelmeer einverstanden und so verlegte die erste Gruppe mit „S 33“, „S 31“, „S 34“, „S 61“ und „S 35“ nach Rotterdam, wo sie am 08.10.1941 im S-Boot-Bunker festmachte. Am 09.10.1941 begann mit den Booten „S 61“, „S 31“ und „S 35“ die Verlegung mit der Fahrt rheinaufwärts. Am 12.10.1941 machten die Boote in Mannheim fest, am 14.10.1941 wurde Straßburg erreicht. „S 33“ und „S 34“ folgten mit zweitägigem Abstand.

 

Die ersten Boote liefen am 18.10.1941 in La Spezia ein, wo sie für einen Woche ins Dock kamen. Am 28.10.1941 verlegten sie nach Gaeta. Schlechtes Wetter hielt sie hier zwei Tage lang fest. Dann wurde nach Augusta an der Ostküste Siziliens verlegt, wo die Boote am 01.12.1941 einliefen. Augusta war ein Kriegshafen der italienischen Marine, der den Booten als Stützpunkt dienen sollte.   

Deutsch-italienische Kooperation, La Spezia 1941 - Foto: Archiv Förderverein
Deutsch-italienische Kooperation, La Spezia 1941 - Foto: Archiv Förderverein

Der erste Einsatz der 3. SFltl in der Nacht 12./13.12.1941 mit fünf Booten richtete sich gegen Malta, das für den Nachschubverkehr nach Nordafrika eine ständige Bedrohung bildete. Die Luftaufklärung hatte Kreuzer und Zerstörer im Hafen von La Valetta gemeldet. Der Einsatz der Flottille blieb aber ohne Ergebnis, da die britischen Einheiten nicht ausliefen.

 

 

In der nächsten Nacht wurde ein weiterer erfolgloser Einsatz gegen La Valetta gefahren. In der Nacht 16./17.12.1941 wurde vor dem Hafen eine Minensperre geworfen. Nach drei Tagen mit schwerem Wetter legte die Flottille in der Nacht 21./22.12.1941 eine Anschlusssperre, in der folgenden Nacht eine weitere und in der Nacht 25./26.12.1941 mit zwei Booten (ein Boot der ursprünglich drei Boote musste wegen Maschinenschadens umkehren) eine weitere. 

Bei den Minenlegeoperationen hatte es Explosionen von neun von 24 geworfenen TMA-Minen kurz nach dem Werfen gegeben. Daraufhin wurden die TMA-Minen bis auf weiteres gesperrt.

3.5 Englischer Kanal 1941, 2. Halbjahr

 

Im Juli kamen die ersten neuen Boote zur Flottille: " S 107" am 06.07., " S 49" am 11.07. und " S 50" am 25.07.1941. Bis zum 29.07.1941 legte die Flottille in 8 Nächten 155 TMA und 20 Reißbojen zwischen Portland Bill und Bembridge Point ohne nennenswerte Zwischenfälle.

 

Am 29.07.1941 verlegte die Flottille nach Boulogne zurück. Von dort wurden mit Unterstützung von der Funkmeßstelle Wimereux kurze Vorstöße in die Kanalenge unternommen.

 

Im August und September 1941 unternahm die Flottille Mineneinsätze und Torpedoeinsätze. Am 07.08.1941 wurde durch " S 48" (Oblt.z.S. von Mirbach) ein 4000 BRT-Frachter als versenkt gemeldet. am 10.08.1941 wurde vor Dungeness von " S 49" der britischen Frachter "Sir Russel" (1548 BRT) versenkt. " S 20" meldete einen Treffer auf einem 4000 BRT-Frachter.

 

Am 19.08.1941 - die Flottille hatte inzwischen nach Rotterdam verlegt - wurde ein Angriff vor Orfordness von vier Booten gefahren. " S 48" versenkte den polnischen Frachter "Czestochowa (1971 BRT) und beschädigte den britischen Frachter "Dalewood" (2774 BRT), der eingeschleppt werden konnte. S" 20" verfehlte mit zwei Torpedos einen Zerstörer.

 

Die nächsten Einsätze 01./ 02.09. und am 03./04.09 verliefen ergebnislos. Am 07.09.1941 kamen die Boote "S 48", "S 49",  "S 50", "S 51" und "S 109" zum Schuss. Sie glaubten fünf Frachter mit  13.500 BRT versenkt zu haben,  es sanken aber nur der britische Frachter "Duncarron" (478 BRT) und der norwegische Frachter "Eikhaug" (1436 BRT).

 

In der Nacht 07./08.09. glaubte die Flottille vier Handelschiffe mit 25.000 BRT versenkt zu haben, der wirkliche Erfolg lag aber weit darunter, " S 50" torpedierte den britischen Dampfer "Tetela", "S 51" versenkte den britischen Dampfer "Teddington" (4762 BRT).

 

Es folgten wieder zwei ergebnislose Vorstöße in den Nächten 26./27.09.1941 und 29./30.09.1941. Auf dem Rückweg fiel eine Bombe so dicht neben "S 50", dass die Motorenfundamente rissen.

 

Ein Vorstoß am 02.10.1941 verlief ergebnislos. Am 03.10.1941 flog die RAF einen Angriff auf den Hafen von Rotterdam. "S 107" wurde stark beschädigt und fiel für acht Wochen aus, "S 51" und "S 52" kamen mit leichten Splitterschäden davon. Der nächste Vorstoß erfolgte mit dem neu in Dienst gestellten "S 109" (Lt.z.S. Bosse), "S 49" und "S 52" am 12.10.1941. Wieder kam nur ein Zerstörer in Sicht, der die Boote gleich unter Feuer nahm.

Nach Ende des Einsatzes der 1., 2. und 3. SFltl in der Ostsee waren alle Boote "werftreif", d.h. sie wurden nicht an die Westfront zurückbeordert. Die 1. SFltl sollte nach der Werftzeit in das Schwarze Meer verlegen, die 3. SFltl ins Mittelmeer.

 

Die 2. SFltl (Kptlt. Feldt) ging nach Abschluss der Werftüberholung am 01.10.1941 in zwei Gruppen mit insgesamt sechs Booten von Kiel zur Gruppe West zurück. Die Boote "S 42", "S 44", "S 45" und "S 46" sollten nach Generalüberholung zur neu gebildeten 8. SFltl stoßen.

 

Am 09.10.1941 lag die 2. SFltl mit folgender Organisation in Rotterdam:

 

2. SFltl

Kptlt. Feldt

S 41

Oblt.z.S. Popp

S 47

Oblt.z.S. Stöve

S 53

Oblt.z.S. Block

S 62

Oblt.z.S. Opdenhoff

S 104

Oblt.z.S. Roeder

S 105

Lt.z.S. Howaldt

 

Am 12.10.1941 lief die 2. SFltl zum ersten Einsatz aus, sie stieß auf einen Konvoi und während die erste Gruppe sich mit den Bewachern herumschlug, kamen "S 41", "S 53" und "S 105" zum Schuss. Sie glaubten sechs Handelschiffe mit 18.000 BRT vernichtet zu haben, der tatsächliche Erfolg war: "S 53" versenkte den norwegischen Frachter "Roy" (1768 BRT) und "S 105" versenkte den britischen Frachter "Chevington" (1537 BRT). Die bei diesem Angriff angewandte Taktik wurde vom F.d.S. gewürdigt und den anderen Flottillen empfohlen. Die 4. SFltl hatte Lauerstellung an einer Konvoiroute bezogen, sichtete aber keinen Gegner.

 

An den folgenden Tagen herrschte schlechtes Wetter, die beiden Flottillen lagen in ihren Bunkern. Am 25.10.1941 wurde ein Konvoi gemeldet, beide Flottillen liefen aus, mussten aber wegen des Wetters umkehren. Ähnlich erging es den Flottillen am 04.11.1941. Vom 05.11. bis 11.11.1941 hielt das Wetter die Boote wieder im Hafen fest. Am 12.11.1941 erfolgte der nächste Einsatz der 2. SFltl, der aber wiederum wegen schlechten Wetters abgebrochen werden musste.

 

In der Nacht 19./20.11.1941 stieß die 2. SFltl auf einen Konvoi. Die 1. Gruppe der 2. SFltl kam zum Schuss. "S 105" versenkte den britischen Frachter "Aruba" /1159 BRT), "S 41" den Frachter "Waldinge" (2462 BRT) und „S 104“ den Marinetanker "War Mehtar" (5502 BRT). Die 2. Gruppe wurde durch Geleitfahrzeuge bekämpft. "S 53" musste dabei Treffer einstecken. Bei einem Versuch wieder an den Konvoi heranzustaffeln kollidierten "S 47" mit "S 105", "S 41" kollidierte mit dem Havaristen "S 47" und musste später aufgegeben werden. Da die Sprengpatronen das Boot nicht zum Sinken brachten, konnten die  MGB-Besatzungen Ausrüstung, Seekarten, Logbücher und die Flagge des Bootes bergen ehe es sank.

 

Währenddessen hatte die 4. SFltl bei Tonne 55A gelauert aber keine Gegner gesichtet. In der Nacht 23./24.11.1941 schoss "S 109" aus der gleichen Lauerstellung heraus auf einen Zerstörer, traf aber den britischen Benzintanker "Virgilia" (5723 BRT), "S 52" versenkte einen auf 4500 BRT geschätzten Frachter, den holländischen Frachter "Groenlo" (1984 BRT) . "S 50" meldete einen torpedierten Frachter von 3000 BRT, "S 51" meldete ebenfalls einen 3000 BRT-Frachter als versenkt, es handelte sich um den britischen Frachter "Blairnevis" (4155 BRT). Alle Boote kehrten nach Rotterdam zurück.

 

In der Nacht 28./29.11.1941 legte die 4.SFltl auf dem Geleitweg Minen. Auf dem Rückweg feuerte "S 51" auf einen 7000 BRT-Tanker, es versenkte den Kohlefrachter "Cormarsch" (2848 BRT). "S 52" schoss auf zwei Dampfer und einen Bewacher. Es versenkte den britischen Frachter "Empire Newcomen" (2840 BRT) und verfehlte den Bewacher. "S 64" versenkte den britischen Tanker "Asperity" (699 BRT), der auch mit 1000 -1500 BRT zu groß geschätzt wurde. Auf dem Rückweg wurden die Boote in ein Gefecht mit MTB verwickelt. " S 51" erhielt einen Treffer im Steuerstand, ein Seemann wurde leicht verletzt.

 

Anfang Dezember wurden einige Minenoperationen durchgeführt. Es folgte eine Periode schlechten Wetters, so dass der nächste Minen-Einsatz in den Nächten 19./20.12. und 20./21.12.1941 erfolgte. Der letzte Einsatz des Jahres fand am 31.12.1941 statt. Die Sperren der 2. und 4. SFltl wurden planmäßig gelegt.

Die Wirkung der Minenfelder war enorm: Zwischen dem 02.12. und 25.12.1941 sanken auf den Sperren 12 Handelsschiffe mit zusammen 50.396 BRT und vor der Humbermündung der Trawler "Henriette" (261 BRT).

 

4.1 Der Englische Kanal 1942

 

Bis in den Februar behinderte schweres Wetter die Schnellboote an der Westfront. Nur zweimal konnten Mineneinsätze gefahren werden. Eisgang auf der Maas erzwang die Verlegung der 2. SFltl (Kptlt. Feldt) mit den Booten „S 29”, “S 39”, “S 53”, “S 62”, “S 70”,  “S 103”,  “S 104”, “S 105”, “S 108” und “S 111” in das noch unfertige Ijmuiden. Die 4. SFltl (Kptlt. Bätge) mit den Booten „S 48“, „S 49“, „S 50“, „S 51“, „S 52“, „S 64“, „S 109“ und „S 110“ verlegte nach Boulogne. Die am 17.01.1942 mit den Booten „S 18“, „S 19“, „S 20“, „S 22“, „S 24“, „S 69“, „S 71“ und „S 101“ hinzustoßende 6. SFltl (Kptlt. Obermaier) wurde in Ostende stationiert. Bei einem Minen-Einsatz bei Tonne 8 B erhielt „S 39“ in der Nacht 18./19.01.1942 bei Sichtweiten unter 100 m Artilleriefeuer von ersten mit Radar ausgestatteten britischen Zerstörern an der Ostküste, ohne Mündungsfeuer ausmachen zu können.

In Boulogne bereitete sich die 4. SFltl auf die Unterstützung des Unternehmens „Cerberus“ vor, des Kanaldurchbruchs der Schlachtschiffe „Gneisenau“ und „Scharnhorst“ sowie des Schweren Kreuzers „Prinz Eugen“. Die Flottille wurde mit den Booten „S 39“ und „S 108“ von der 2. SFltl und das Boot „S 69“ von der 6. SFltl auf 10 Boote aufgefüllt. Um einer Verwechslung mit feindlichen Booten durch die Luftwaffe vorzubeugen, wurden die Oberdecks der Boote leuchtend gelb gestrichen. Die Flottille stand beim Kanaldurchbruch am 12.02.1942 bei Seegang 5 bis 6 in der Flankensicherung. Bei einem Angriff von britischen Spitfire-Jägern  erlitt „S 64“ Treffer mit zwei Schwer- und zwei Leichtverletzten, es entstand ein Brand im vorderen Tankraum, so dass das Boot zurück geschickt werden musste. Bei einem Angriff von Swordfish (Torpedofliegern) schoss „S 69“ ein Flugzeug ab. Ein Angriff von fünf britische MTBs blieb erfolglos. Der Durchbruch glückte ohne weitere Verluste.

Die in Sofortbereitschaft liegende 2. SFltl kam wegen aufkommenden Schwerwetters nicht mehr zum Einsatz.

 Nach dieser Unternehmung wechselten sich Minen- und Torpedo-Einsätze ab. Als die 2. SFltl nach einem Minen-Einsatz in der Nacht 19./20.02.1942 von britischen Zerstörern gejagt wurde, kollidierten „S 39“ und „S 53“. Während „S 39“ mit aufgerissener Seite und einer voll gelaufenen Abteilung IV den Einsatzhafen erreichte, erfuhr man aus dem britischen Radio, dass von „S 53“ (Obltl.z.S. Block) 18 Mann durch britische MGBs gerettet wurden, acht Mann darunter der Kmdt. blieben verschollen.

 

Am 15.02.1942 erging die Weisung von der Skl, die 6. SFltl mit acht Booten und Begleitschiff "Tsingtau" für den Einsatz im Raum Lofoten - Narwik in Marsch zu setzen. Ende April erreichte die 6. SFltl (Kptlt. Obermaier) mit 4 Booten den neuen Stützpunkt Svolvær.

 

Den Februar und März 1942 hindurch arbeiteten die 2. und die 4. SFltl zusammen. Minen- und Torpedoeinsätze wechselten sich ab. In er Nacht 09./10.03.1943 meldete die 2. SFltl die Versenkung von zwei Dampfern mit 5.000 BRT durch S 70 und S 105. Es ging aber nur der britischen Frachtdampfer "Horseferry" (951 BRT) durch Treffer von „S 70“ verloren. 

 

Die 4. SFltl legte während dieser Zeit Minen zwischen Dover und Dungeness. Dabei stellte die eigene Funkaufklärung fest, dass die britischen Küstenradarstationen die Boote ortete und die Lage der Minenfelder vermessen und damit die britischen Geleite um die Minenfelder herum leiten konnte. Dies war vorerst das Ende der Minenwurfeinsätze in diesem Gebiet.

 

Wegen der kurzen Wege von und nach Boulogne konnte die 4. SFltl sich nach Einsätzen fast immer der Verfolgung durch Feindkräfte entziehen. Die 2. SFltl hingegen wurde immer mit der alarmierten Abwehr konfrontiert.

 

In der Nacht 14./15.03.1942 konnte „S 104“ zwar aus einem Geleit heraus den briischen Zerstörer „Vortigern“ versenken, mussten dann aber ohne Sichtkontakt Einzelboot- bzw. Rottenweise den Rückmarsch antreten. Auf „S 104“ gab es einen 12-cm-Granatentreffer auf der Brücke, ohne dass eine Detonation erfolgte. Durch einen MG-Treffer gab es einen Leichtverletzten.

 

Nach dem Einlaufen erhielt die 2. SFltl die Nachricht, dass ein Boot kürzlich Feindberührung mit MGBs hatte. Die Flottille lief aus, um das fehlende Boot „S 111“ zu suchen. Das Boot war bereits durch drei MGBs niedergekämpft und geentert worden und wurde abgeschleppt. Es hatte 14 Gefallene, darunter der Kmdt. Oblt.z.S. Popp, gegeben. Als die 2. SFltl auf diesen Schleppzug stieß, wurde „S 111“ losgeworfen, die MGBs konnten in einer Nebelwand entkommen. Auf dem Rückmarsch wurde die Flottille von 11 Spitfire-Jägern angegriffen. Durch die 30 Minuten dauernden Angriffe erlitten die Boote viele Beschädigungen, es gab vier Schwer- und acht Leichtverletzte. S 111 musste aufgegeben und versenkt werden. Alle Boote waren für vier Wochen aKB.

Auf den von den S-Booten im März geworfenen Minensperren sanken zwei Frachter und ein Tanker mit zusammen 11.534 BRT.

 

Der Monatanfang des April war von schlechtem Wetter bestimmt. Es waren nur einige wenige Einsätze möglich. Bei einem Mineneinsatz wurde ein Mann durch eine Mine über Bord gerissen.

 

Am 20.04.1942 wurde der Schnellbootsverband eigenständig. Der Führer der Torpedoboote (F.d.T.), der sich in der Vergangenheit hauptsächlich um die S-Boote gekümmert hatte, wurde Führer der Schnellboote (F.d.S.). Die Torpedoboote kamen unter das Kommando des Führers der Zerstörer (F.d.Z.). Neuer F.d.S. wurde KorvKpt. Petersen, der diesen Posten – zuletzt als Kommodore – bis Ende des Krieges innehatte.

 

Die zweite Hälfte des April  und die erste Maiwoche waren wiederum von schlechtem Wetter gekennzeichnet. Um dennoch Einsätze fahren zu können wurde die 4. SFltl am 10./11.05.1942 nach Boulogne verlegt. Die 2. SFltl legte Minen vor Orfordness und stellte fest, dass die Boote fast ständig vom Radar erfasst waren. 

Am 13.05.1942 fuhr die 4. SFltl zusammen mit der 5. T-Fltl. und der 2. und 8. M-Fltl. Sicherung für den Hilfskreuzer "Stier". Durch brit. Schnellboote wurden die T-Boote "Iltis" und "Seeadler" versenkt. Die S-Boote konnten insgesamt 83 deutsche und drei britischeSeeleute retten. Anschließend wurde die Flottille in den Flottillenstützpunkt Hoek van Holland zurückverlegt.

 

Bis Anfang Juni führten die 2. SFltl und die inzwischen wieder nach Rotterdam zurückgekehrte 4. SFltl hauptsächlich Mineneinsätze durch. Dann verlegten die Flottillen nach Boulogne, um von dort aus Minensperren auf den Geleitzugrouten unter der englischen Küste zu werfen, obgleich bekannt war, dass die Radarstationen die Sperren genau vermessen konnten. Der F.d.S. verlegte seinen Stab nach Wimereux. Mitte Juni waren in beiden West-Flottillen 7 Boote einsatzklar.

 

Ende Juni verlegten die beiden Flottillen nach Cherbourg, um von hier aus unter der Führung des Chefs 2. SFltl mit gerade mal fünf einsatzbereiten Booten gegen die Geleite der Briten zu operieren. Mit der neuen Taktik „Stichansatz“ auf Grund von Feindmeldungen durch die Luftwaffe gelang bereits beim zweiten Ansatz in der Nacht 08./09.07.1942 die Versenkung von sechs Fahrzeugen mit geschätzt 22.000 BRT. In Wirklichkeit wurden versenkt von „S 67“ der britische Tanker "Pomella" (6.766 BRT), von „S 48“, „S 109“ und „S 70“ die norwegischen Dampfer "Kongshaug" (1156 BRT), "Rüsten" (736 BRT) und "Bokn" (698 BRT), von „S 50“ der niederländische Dampfer "Reggestrom" (2.836 BRT). „S 104“ verfehlte mit zwei Torpedos einen Bewacher und „S 63“ versenkte den britischen Trawler "Manor", den der Kmdt. für einen Tanker hielt.

In den folgenden Wochen wurden wegen fehlender Feindmeldungen durch die Luftaufklärung wieder Mineneinsätze gefahren.

 

Inzwischen wurden beide Flottillen durch wieder KB werdende Boote aufgefüllt. Die 5. SFltl (Kptlt. Klug) mit den Booten „S 77“ und „S 68“ wurde nach Cherbourg verlegt. Am 26.07.1942 erhielt die 2. SFltl den Befehl nach Guernsey zu verlegen. Am 31.07.1942 traf die 5. SFllt mit jetzt fünf Booten dort ein und am 01.08.1942 lief auch die 4. SFltl in St. Peter Port ein. In der Nacht vom 01./02.08.19442 fuhr die 2. SFltl Sicherung für eine Minenoperation der 8. M-Fltl.

 

Mit 19 Booten griffen die 3 Flottillen in der Nacht 03./04.08.1942 ein Geleit an, wurden aber durch die Sicherungsfahrzeuge abgedrängt, so dass nur drei Boote zum Schuss kamen. Sie meldeten zwar Treffer, es wurden aber keine Fahrzeuge versenkt. 

 

Da die länger werdenden Nächte den Einsatz von Holland aus zuließen, verlegte der F.d.S. die 4. SFltl am 13.08.1942 nach Rotterdam und am Tag darauf die 2. SFltl nach Ijmuiden, die 5. SFltl verlegte nach Boulogne. Er selbst verlegte mit seinem Stab nach Scheveningen.

 

 

Sitz des F.d.S. in der Villa Sand Hage bei Scheveningen – Foto: Archiv
Sitz des F.d.S. in der Villa Sand Hage bei Scheveningen – Foto: Archiv

Anfang September 1942 kehrte die 6. SFltl von Norwegen zurück und wurde in Ijmuiden stationiert. Daher konnten in der Folgezeit immer drei Flottillen abwechselnd im Torpedo- und im Mineneinsatz sein.

 

Am 11.09.1942 trafen die zurückkehrenden Boote auf eine MGB-Gruppe aus drei Booten. In dem sich entwickelnden Gefecht wurde „MGB 335“ so schwer beschädigt, dass es aufgegeben wurde, die anderen MGB entkamen. „MGB 335“ wurde eingeschleppt, Signalbuch, Minenkarten, Funk- und Radargerät wurden erbeutet. Die neue 40-mm-Kanone auf „S 117“ hatte sich voll bewährt. Allerdings hatte es auf allen deutschen Booten Treffer gegeben und es gab auf „S 62“ und „S 80“ fünf Schwerverwundete und fünf Leichtverwundete auf „S 78“ gab es zwei Verwundete und einen in der 6. SFltl.

Britische MTBs vom Typ Fairmile C - Foto: Imperial War Museum
Britische MTBs vom Typ Fairmile C - Foto: Imperial War Museum

Der F.d.S. forderte als Konsequenz aus dem Gefecht die Verstärkung der Brückenpanzerung (Kalottenbrücke) und die Ausrüstung mit 40-mm-Kanonen sowie Funkmess- und Funkmessbeobachtungsgeräten.

 

Die 5. SFltl führte im September und Oktober 1942 von Cherbourg aus Minen- und Torpedoeinsätze im Wechsel durch konnte aber nur den Trawler "Lord Stonehaven" versenken.

 

In der Nacht 06./07.10.1942 lagen erstmals wieder Funkaufklärungsmeldungen vor. Mit 17 Booten aus drei Flottillen konnten aus dem Konvoi die Versenkung eines Dampfers mit 7.000 BRT ("Jesse Maersk" (1972) BRT), des Schleppers "Caroline Møller" und des Minenfahrzeugs ML 339 gemeldet werden. Die torpedierten britischen Frachter "Sheaf Water" /2730 BRT) und "Ilse" (2844 BRT) sanken beim Abschleppen. Das Patrouillenfahrzeug  "Shelldrake" und der Hilfsminensucher "Monimia" wurden beschädigt. Das neue GA-Winkel-Stellzeug (es erlaubte den Winkelschuss) auf „S 80“ hatte sich bewährt.

 

Es folgte eine Woche mit so schlechtem Wetter, dass S-Boots-Einsätze nicht möglich waren.

Am 13.10.1942 fuhr die 5. SFltl mit 8 Booten einen Einsatz gegen ein Westgeleit, fand aber keine Ziele, danach suchten sie nach Überlebenden des Hilfskreuzers "Komet", das von britischen MTBs versenkt worden war. Von den 251 Besatzungsangehörigen überlebte keiner.

 

Von Holland aus waren in der gleichen Nacht  die 6. SFltl mit acht Booten und die 4. SFltl mit fünf und die 2. SFltl mit vier Booten im Einsatz. Die 6. SFltl meldete die Versenkung von vier Frachtern mit 8.000 BRT, tatsächlich wurde der norwegische Dampfer "Lysland" ( 1.335 BRT) und der britische Dampfer "George Balfour" (1570 BRT) torpediert. Die brennende "Lysland" wurde in den Humber eingeschleppt. Die "George Balfour" brach beim Schleppen auseinander und geriet auf Grund.

 

 In den nächsten Wochen waren wegen der einsetzenden Winterstürme nur wenige Einsätze möglich. Am 09.11.1942 waren die 6. SFltl mit sieben, die 2. und 4. SFltl mit je acht Booten im Einsatz. Es wurde die Versenkung sechs Dampfern mit 16.000 BRT und die Torpedierung eines Bewachers gemeldet. Versenkt wurdenur der norwegische Dampfer "Fidelio" (1.843 BRT) und der britische Dampfer "Brite Wandle" (1.482 BRT) wurde torpediert. Er wurde eingeschleppt. Die Boote „S 113“ und „S 112“ mussten mehrere 4-cm-Treffer hinnehmen. Auf „S 113“ wurden drei Mann verletzt.

 

Am 19.11.1942 fuhr die 5. SFltl. einen Angriff auf ein Geleit bei Eddystone Leuchtfeuer und meldete die Versenkung von zwei Frachtern von je 3000 BRT, eines Frachters von 2500 BRT und eines Frachters von 1000 BRT. „S 112“ versenkte den britischen Trawler "Ullswater". Außerdem wurden versenkt  der norwegische Frachter "Lab" (1118 BRT) und die britischen Dampfer "Yewforest" (815 BRT) und "Birgitte" (1595 BRT).

Am 30.11.1942 wurde der britische Trawler "Jasper" durch die 5. SFltl versenkt. Die Frachter des Konvois wurden nicht getroffen, es gab ein längeres Gefecht mit brit. Zerstörern.

 

Am 02.12.1942 bekämpfte die 5. SFltl mit acht Booten einen Geleitzug. „S 81“ und „S 116“ schossen gleichzeitig auf einen Dampfer von geschätzt 3000 BRT, „S 82“ traf einen Dampfer von geschätzt 2000 BRT und „S 115“ versenkte den britischen Geleitzerstörer "Penylan". Es sank der französiche Frachter "Gatinais" (1087 BRT). Auf „S 116“ fielen zwei Mann auf „S 82“ fielen drei Mann.

 

In der Nacht 12./13.12.1942 konnte wieder ein Stichansatz durchgeführt werden. Die an den Flanken stehenden Boote der 2. und 6. SFltl konnten die Sicherungsfahrzeuge abziehen, die 4. SFltl kam zum Schuss und konnte vier Dampfer und einen Tanker mit geschätzt 12.000 BRT, in Wirklichkeit wurden versenkt durch „S 49“ der britische Frachter "Avonwood" (1056 BRT), durch „S 117“ der britische Frachter "Knitsley" (2272 BRT), durch „S 63“ der britische Frachter "Lindisfarne" (999 BRT) und der norwegische Frachter "Marianne" (1915 BRT) und durch „S 110“ der britische Frachter "Glen Tilt" (871 BRT). „S 105“ erhielt einen 10,2-cm-Treffer ohne Personalverluste. „S 114“ erhielt einen 4-cm-Treffer und mehrere 20-mm-Treffer ebenfalls ohne Personalverluste.

Insgesamt wurden im Jahr 1942 am Kanal versenkt: Zwei Zerstörer ("Vortigern" und "Penylan"), eine Motorlaunch (ML 339), vier Trawler ("Manor", "Lord Stonehaven", "Ullswater" und "Jasper"), 19 Handelsschiffe mit 33.049 BRT. Torpediert wurden fünf Frachter mit 4387 BRT, durch Minen versenkt wurden fünf Handelsschiffe mit 14.667 BRT), durch Minen beschädigt wurden zwei Zerstörer ("Whitshed" und "Cotswold" und ein Handelsschiff mit 2820 BRT). Erbeutet wurde ein MGB (MGB 335).

 

Die eigenen Verluste betrugen:  14 Gefallene, 5 Schwer- und 12 Leichtverletzte, 18 Gefangene. „S 53“ ging durch Kollision mit „S 39“ verloren, „S 111“ wurde nach Artillerietreffern selbst versenkt.

4.2 Das Mittelmeer 1942

 

In der Nacht 18./19.01.1942 wurde die 3. SFltl auf einen Konvoi von Alexandria nach Malta angesetzt. Die Flottille stieß aber an dem Konvoi vorbei und wegen Wetterverschlechterung lief sie ohne Erfolge wieder nach Augusta zurück.

 

Die zweite Gruppe konnte die letzte Etappe erst am 10.01.1942 beginnen und lief  am 15.01.1942 in La Spezia ein. Augusta wurde am 05.02.1942 erreicht. Die Flottille verfügte nunmehr über acht Boote.

 

 

Um die Sizilien-Straße besser überwachen zu können, verlegte die 3. SFltl nach Porto Empedocle an der Südküste Siziliens. Von hier aus wurde in der Nacht 05./06.02.1942 ein Einsatz gegen einen von der Luftaufklärung gemeldeten Konvoi gefahren. Die Boote bekamen keinen Feind in Sicht und schlechtes Wetter zwang die Boote zur Umkehr. Sie liefen am Morgen in Augusta ein.

 

Am 20.02.1942 verlegte die Flottille erneut nach Porto Empedocle. Schlechtes Wetter verhinderte Einsätze obwohl die Luftaufklärung Feindmeldungen brachte. Erst in der Nacht 05./06.03.1942 konnte die Flottille einen Einsatz gegen die tunesische Küste fahren jedoch ohne einen Gegner zu sichten. 

Getarnte S-Boote im Hafen von Porto Empedocle – Foto aus Kemnade: „Die Afrika Flottille“
Getarnte S-Boote im Hafen von Porto Empedocle – Foto aus Kemnade: „Die Afrika Flottille“

In den Nächten zwischen dem 15.03. und dem 28.04.1942 warf die 3. SFltl 12 Minensperren. Es kam immer wieder zu Explosionen von Minen. Dann zwang schlechtes Wetter der Flottille eine Ruhepause auf.

 

In der Nacht vom 06./07.05.1942 wurde von „S 31“, „S 34“ und „S 61“ eine weitere Minensperre geworfen. Nach dem Minenwerfen stießen die Boote überraschend auf eine britische Motorlaunch („ML 130“), die in vier Artillerie-Anläufen niedergekämpft wurde, obwohl diese mit einem 76-mm-Geschütz und zwei 20-mm-Maschinenkanonen bewaffnet war. Die Boote bargen Karten und Verschlussmaterial sowie den White Ensign und übernahmen den Kommandanten, den Wachoffizier und neun weitere Besatzungsmitglieder. Fünf Männer waren verwundet. Auf deutscher Seite gab es einen Leichtverletzten auf „S 31“.

 

In den Nächten 07./08.05. und 08./09.05.1942 verminten Boote die Hafeneinfahrt von La Valetta. In der zweiten Nacht wurden sie durch einlaufende Trawler gestört, griffen diese jedoch so dicht vor dem Hafen nicht an, da die Weisung war, die Sperren unbemerkt zu werfen.   

Unwirksam getarnte S-Boote aus der Luft gesehen - Foto: Archiv Kpt z.S. A,D. H. Haag
Unwirksam getarnte S-Boote aus der Luft gesehen - Foto: Archiv Kpt z.S. A,D. H. Haag